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Der aktuelle Stand der familien- und ortsgeschichtlichen Forschung im Körliner Land

Mehrere Anfragen zur Familienforschung im Kolberger Land veranlassen mich, über die Forschungsmöglichkeiten zu informieren. Es muss auch der Raum Belgard mit einbezogen werden, weil viele Familienbande der Körliner auch in diesen Kreis reichen. Hier ist vor allem Redlin zu erwähnen, das sogar zur Körliner Kirchengemeinde gehörte. Durch die Beschränkung des Forschungsraumes auf das Körliner Umland können die Hinweise und Angaben detaillierter sein als in allgemeinen Einführungen für angehende Familienforscher. Dem Einsteiger ist nur gedient, wenn die Quellen konkret bekanntgegeben werden und zu welchen Bedingungen und Kosten diese zu benutzen sind.

Im folgenden werde ich nur solche Archive und Institutionen angeben, die nennenswerte Bestände aus dem Körliner Land haben. Für die Familienforschung sind die staatlichen Personenstandsregister, Kirchenbücher und personenbezogene Akten in Archiven, Bibliotheken und ähnlichen Einrichtungen von Bedeutung.

 

A Standesamtsunterlagen

 

Diese Register werden seit dem 1. Oktober 1874 in Deutschland geführt und reichen mit ihren Angaben im günstigsten Fall bis etwa 1770 zurück, wenn hoch betagte Menschen sterben und die Namen der Eltern angegeben werden. Mit Ausnahme von Fritzow und Altmarrin sind von allen Standesämtern des Körliner Umlandes mehr oder weniger vollständige Register vorhanden.

Das für die Vertreibungsgebiete zuständige deutsche Standesamt befindet sich in Berlin:

Standesamt I in Berlin, Rückertstr. 9, D-10119 BERLIN.

Aus dem Landkreis Kolberg-Körlin gibt es hier bis auf die Städte Körlin und Kolberg keine nennenswerten Unterlagen. Die Register von Kolberg haben kleine Lücken und reichen von 1874 bis 1938, die Belgarder Listen beginnen 1891 und enden 1944, sie sind sehr lückenhaft. Die Körliner Register sind dagegen fast vollständig (bis 1938) und enthalten noch Sterbeeinträge von Anfang 1945, wie man der folgenden Einzelaufstellung entnimmt:

Körlin (Persante) Krs. Kolberg-Körlin, Pommern:

Geburtsregister: 01.10.1874–30.06.1938

Heiratsregister: 01.10.1874–1879; 1881–1884; 1886–1889; 1891–1902; 1904–30.06.38

Sterberegister: 1875–1893; 1895–30.06.1938; 1945

In Berlin bekommt man nur als direkter Nachfahre auf schriftlichen Antrag (formlos) Auskunft. Eine Beurkundung kostet 12 DM. Die Standesbeamten führen auch bei einer Vorauszahlung von 30 DM eine Suche über 5 Jahrgänge durch, falls man ein Datum nicht genau weiß.

Die Register selbst dürfen nach dem Personenstandsgesetz nicht eingesehen werden. Vorfahren von Anverwandten (z.B. Geschwister der Großeltern) können nur mit einer Vollmacht direkter Nachkommen erfragt werden. Es werden beglaubigte Kopien versandt. Man muss mehrere Wochen auf eine Antwort warten.

Als Körliner hat man die Möglichkeit, auch in Körlin (Karlino) bzw. Köslin (Koszalin) eine

Beurkundung vornehmen zu lassen. Die Register in Körlin und Köslin sind die Originale (Hauptregister), während in Berlin nur die Zweitschriften (Nebenregister) vorhanden sind. Letztere enthalten nicht die Unterschrift (Handschrift) des Anzeigenden.

Die Hauptregister von Körlin befinden sich von 1874–1899 im Kösliner Staatsarchiv und diejenigen von 1900–1945 im Rathaus von Körlin.

 

Die Standesamtsunterlagen von 1874 –1884/85 können auch in Deutschland in den Genealogischen Forschungsstellen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Abk. HLT,"Mormonen" ) eingesehen werden. Das gilt auch für Nichtmitglieder dieser Religionsgemeinschaft. Die Forschungsstellen (FHC) gibt es in jeder größeren Stadt, wo der Katalog mit den Mikrofilmen zur Verfügung steht. Man kann auch im Internet unter http://www.familysearch.org die vorhandenen Filme mit den Nummern heraussuchen und dann gegen eine Gebühr von 10 DM bestellen. Die Filme können in den Forschungsstellen an Sichtgeräten gelesen werden. Es ist auch möglich, sich Kopien für 1 DM pro Seite anfertigen zu lassen.

Die „Mormonen" betreiben auch Datenbanken, die in den FHC und auch im Internet lesbar sind (siehe obige Adresse).

Von folgenden 10 Standesämtern unseres Gebietes liegen Personenregister bei den „Mormonen" und damit auch im Staatsarchiv von Köslin vor. Die Manuskripte (Register) wurden um 1980 von den „HLT" auf Mikrofilm aufgenommen. Es lagern in Köslin 3000 Personenstandsbücher, die aber nur bei einer Genehmigung der oberen Archivleitung in Warschau eingesehen werden können.

Es sind die 10 Standesämter Körlin, Lübchow, Kerstin, Koseeger, Rogzow, Petershagen, Roggow, Lenzen, Rarfin und Belgard.

 

Körlin:

Hauptregister von 1874–1884 ohne Heiraten (H) und Tote (T) von 1874

3 Filme mit den Nr. 1496938–1496940

Lübchow:

Hauptregister von 1874–1885

2 Filme mit den Nr. 1538554 und 1538555

Orte: Lübchow, Peterfitz mit Klaptow und Emmasthal.

Kerstin:

Nebenregister von 1874–1885

2 Filme mit den Nr. 1496940 und 1496941

Orte: Kerstin mit Johannesthal und Krühne, Groß- und Klein Pobloth,

Kruckenbeck (bis 1928, dann Koseeger)

 

Koseeger:

Nebenregister von 1874–1885

2 Filme mit den Nr. 1538469 und 1538470

Orte: Mallnow mit Koseeger, Garchen mit Schwartow, Kowanz, Karvin mit

Dumzin, Klein Jestin und Körlin Amt.

Rogzow:

Register von 1874–1885

2 Filme mit den Nr. 1335980 und 1335981

Orte: Rogzow mit Leppin und Neugasthof, Schleps und Stolzenberg.

Petershagen:

Register von 1874–1885

2 Filme mit den Nr. 1335917 und 1335975

Orte: Petershagen, Petersfelde mit Meierei und Moitzelfitz mit Schönau und Wedderwill.

Roggow:

Register von 1874–1884; es fehlen G (Geburten) 1878,1879,1883 und H 1874, 1881 und T 1874–1876, 1880

2 Filme mit den Nr. 1335979 und 1335980

Orte: Buchhorst, Denzin, Panknin, Kösternitz, Lülfitz, Redlin, Rostin, Kowalk, Vorwerk Belgard, Roggow.

Informationen über neuere Standesamtsregister 

Lenzen:

Register von 1874–1884 ohne H 1883

2 Filme mit den Nr. 1538555 und 1538556

Orte: Lenzen, Boissin, Grüssow, Naffin, Ristow und Zarnefanz.

Informationen über neuere Standesamtsregister 

Rarfin:

Register von 1874–1884 ohne G 1874 und T 1879

2 Filme mit den Nr. 1335976 und 1335977

Orte: Rarfin, Natztow, Podewils, Sager, Zietlow.

Informationen über neuere Standesamtsregister 

Belgard:

Register von 1874–1884 ohne H 1883 und T 1884

7 Filme mit den Nr. 1496903–1496909

Informationen über neuere Standesamtsregister 

 

Von den Standesämtern Körlin, Lübchow und Kerstin liegen mir Teilabschriften (Namensverzeichnisse) vor, so daß ich bei Anfragen weiterhelfen kann. Die Filme von Koseeger (nicht im Katalog-Verzeichnis) und Rogzow habe ich bestellt und werde sie mir in den nächsten Monaten ansehen, da ich in diesen Dörfern viele Verwandte und Vorfahren habe.

Es sind auch schon weitere Verfilmungen in polnischen Archiven durchgeführt worden, die den Zeitraum von 1885–1895 umfassen. Die Filme werden aber aus Vertragsgründen und wegen des Datenschutzes erst später freigegeben. So gilt auch nach deutschem Recht bei Geburten eine Schutzfrist von 110 Jahren, an die sich jeder halten muss.

Es ist mir noch nicht bekannt, welche Personenstandsbücher aus unseren Dörfern in Körlin (Karlino) liegen und für welche Zeiträume. Mir sind schon Beurkundungen seitens der Stadtverwaltung Karlinos aus den Dörfern Lübchow, Kerstin und der Stadt Körlin bekannt. Frau Isleb-Gutzmann wird demnächst bei Bürgermeister Misko den genauen Bestand erfragen.

 

B Kirchenbuchunterlagen

 

Im Landkreis Kolberg-Körlin sind nur wenige Kirchenbücher erhalten geblieben im Gegensatz zu den Nachbarkreisen wie Greifenberg oder Naugard, wo rechtzeitig beim Heranrücken der Front die Kirchenbücher gesammelt und über die Oder in Sicherheit gebracht wurden. Im Körliner Land verblieben die Kirchenunterlagen in den Pfarrhäusern. Es ist davon auszugehen, daß die meisten Kirchenbücher in den Nachkriegswirren vernichtet worden sind. Dies gilt auch für die Duplikate, die seit etwa 1820 durch die Küster angefertigt werden mußten und bei dem zuständigen Amtsgericht hinterlegt wurden.

Da die Reichsstelle für Sippenforschung (später Reichssippenamt) in unserem Landkreis keine Mikroverfilmungen durchgeführt hat, gibt es auch in der deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig keine Kirchenbuchunterlagen. Im Kreis Belgard wurden alte gefährdete Bücher in folgenden Kirchspielen verfilmt: Arnhausen, Damen Grössin, Muttrin, Woldisch-Tychow und Venzlaffshagen und im Kreis Köslin in den Kirchspielen Kordeshagen und Wusseken.

Im Landesarchiv Greifswald gibt es Kirchenbücher der Kirchspiele Zarben und Langenhagen (beide Krs. Greifenberg), die auch die Gemeinden Drenow, Gandelin, Naugard und Deep des Kolberg-Körliner Kreises umfassen.

Im Staatsarchiv Stettin befinden sich Bücher vom Kirchspiel Drosedow mit den Ortschaften Damitz-Lestin und Trienke. Aus dem Kreis Belgard gibt es in Stettin Unterlagen der Kirchspiele Arnhausen und Groß Tychow.

Im ev. Zentralarchiv in Berlin befinden sich ein Taufbuch von Kolberg (1676–1699) und ein Kirchenbuch von Klaptow und dessen Tochtergemeinde Lübchow, und zwar Taufen, Trauungen, Bestattungen und Konfirmationen von 1922/23 bis 1933/34 und 1951–1957. Diese Unterlagen sind auch von den „Mormonen" verfilmt worden, können aber nicht in den Forschungsstellen gelesen werden.

Im Staatsarchiv Köslin gibt es Kirchenbücher von Groß Jestin und der Stadt Belgard, in die die umliegenden Dörfer eingepfarrt waren. Es sind dies: Gut Ackerhof, Buchhorst, Denzin, Kamissow, Kösternitz, Lülfitz, Panknin, Roggow, Rostin, Uhlenburg, Vorwerk, also Ortschaften, die zu Körlin in östlicher Nachbarschaft liegen. Es handelt sich um das Kirchenbuchduplikat der ev. Kirchengemeinde Belgard (Marienkirche), welches von den „Mormonen" auf 3 Filmen dokumentiert worden ist, mit den Nr. 1496966–1496968 und den folgenden Registern: Taufen: 1794–1830 und 1838–1874; Trauungen: 1830–1874 und Sterbefälle: 1794–1874.

Für den Körliner Raum sind noch Verfilmungen von 2 Militär-Kirchenbüchern zu erwähnen:

1. Militärgemeinde Belgard von 1802–1870 und 2. Das Kirchenbuch des preußischen Kürassier-Regiments 05 von 1763–1814.

Die Kirche Jesu Christi der HTL hat auch das Militärkirchenbuch von Körlin verfilmt. Es gibt zwei Versionen, wobei der Film mit der Nr. 0071966 am besten lesbar ist. Die Register beinhalten Taufen: 1833–1852 und 1867–1883; Sterbefälle: 1833–1854 und 1867–1883 und Konfirmationen: 1837–1848. Von diesem Kirchenbuch besitze ich Aufzeichnungen und ein Register ist in Arbeit.

 

C Personenbezogene Akten

 

Neben den staatlichen und kirchlichen Registern gibt es noch viele personenbezogene Unterlagen in Archiven, Bibliotheken und ähnlichen Einrichtungen, die Akten, Bücher, Zeitschriften, Urkunden, ... aufbewahrt haben. Es gibt eine derartige Fülle, so daß ich auf die weiterführende Literatur verweisen muss, die u. a. auch im Wegweiser von G. Stübs aufgelistet ist.

Für die Körliner dürften die ergiebigsten Unterlagen im Landesarchiv Greifswald mit den Stadtakten des Magistrats von Körlin aus der Zeit von 1663–1880 und den Zunfturkunden von 1549–1768 sein. Es sind 329 Aktenstücke in der Findkartei verzeichnet. Die einzelnen Akten haben einen sehr unterschiedlichen Umfang .Zur Zeit werden 17 interessante Akten verfilmt, so daß man von ihnen Kopien anfertigen lassen kann. Die restlichen Akten müssen noch gesichtet werden, um sie evtl. einer Verfilmung zuzuführen. Diese Stadtakten enthalten ältere Daten und Fakten und sind deshalb besonders wichtig.

Die UNI-Bibliothek in Greifswald enthält etwa 60 000 Pomeranica, die z. Teil älter als 200 Jahre sind. Der Katalog ist im Internet abzurufen. Über Fernleihe können Bücher bestellt werden. Besonders wertvolle Archivalien werden nicht außer Haus gegeben und müssen dann kopiert, mikroverfilmt oder gescannt werden, um aufwendige Abschreibe-Arbeit zu vermeiden. Für unseren Heimatkreis dürften aber nur wenige 100 Bücher von Bedeutung sein.

Eine erste Durchsicht mit 10 interessanten Büchern habe ich begonnen. Das Einwohnerbuch

der Städte Kolberg und Körlin sowie des Landkreises Kolberg-Körlin aus dem Jahre 1929 ist für Familienforscher sicher von Interesse.

Zwei Zeitschriften der UNI-Bibliothek Greifswald müssen noch erwähnt werden, weil sie sich auf unser Körliner Land beziehen: Die „Kolberg-Körliner Kreiszeitung" und das „Kösliner Amtsblatt" mit beigefügtem „Öffentlichen Anzeiger".

Durch eine Verfilmung des Kreisblattes, welches überwiegend amtliche Nachrichten enthält, ist eine weitere wichtige Quelle von 1888–1935 erschlossen worden, deren Auswertung in den nächsten Monaten erfolgen soll. Vom Inhalt her ist das „Kösliner Amtsblatt" der Kreiszeitung ähnlich. Das „Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Köslin" wurde seit 1816 herausgeben.

In der GREIFSWALDER Bibliothek sind die Bände bis 1945 vorhanden, wobei der Anzeiger der ersten Erscheinungsjahre leider fehlt, so daß ich den „Öffentlichen Anzeiger" bei der Staatsbibliothek in Berlin ausleihen muss. Die Amtsblätter enthalten viele personenbezogene Angaben und es lohnt sich deshalb eine auf längere Sicht angelegte Auswertung.

Die Staatsarchive in Stettin und Köslin sind zwei weitere wichtige Quellen für Familienforscher, denn es lagern hier z. B. die Unterlagen des Amtsgerichts Körlin mit fast 2000 Akteneinheiten.

Wer Pommernforschung betreiben will, muss auch die Bestände des „Geheimen Staatsarchivs" in Berlin durchmustern. In der Hauptabteilung XV sind sehr umfangreiche Akten über Pommern vorhanden. Unter der Repositur 38b z. B. Deposita der Magistrate vieler pommerscher Städte.

Diese Sichtung und Auswertung kann nur von einer Gruppe, deren Arbeit koordiniert wird, erfolgen. Als Einzelforscher ist man zeitlich überfordert, wenn keine Beschränkung auf die wichtigsten Quellen erfolgt. Aus diesem Grunde unterhalten die Familienforscher eigene Zeitschriften, in denen die Ergebnisse der Forschungsarbeit bekannt gegeben werden. Auf diese Weise wird Doppelarbeit vermieden.

Juli 2000, Uwe Witte

 

Anm.: Koordinierung durch die Mailing - Liste Kolberg-L und durch die Arbeitsgruppe Kolberg/Kolberg-Körlin im pommerschen Verein für Familien und Ortsgeschichte „Pommerscher Greif"; Interessenten bitte melden: Uwe Witte oder Ernst Schröder oder über diese Homepage.