Die Stadt Kolberg

Kirchenwesen

Seit Christianisierung im 12. Jahrh. unter Bistum Cammin. Reformation 1531. Aufhebung der kath. Institutionen durch Ratsbeschluss 1534. 1560 Superintendantur der stiftischen Länder. Die erste reformierte Kirche 1663. Die kath. St. Martinskirche 1895 geweiht.

Die Marienkirche (Dom) als Kirche der Wendenstadt um 1125 gegründet, 1270 baufällig als antiqua ecclesia canonicorum gebraucht, die jetzige Marienkirche am Domplatz, schon 1282 benutzt, ursprünglich dreischiffig, seit Ende 14. Jahrh. fünfschiffige Hallenkirche mit berühmtem Lettner (lectorium). 1887-90 unter Leitung von Baumeister Pogge grundlegend restauriert, Wiederherstellung der Decken- und Wandmalereien durch Maler Grimmen. Umbau der Orgel 1927.

Das 1277 von Bischof Hermann von Cammin gegründete Benediktinerjungfrauenkloster oder Fräuleinstift, früher auf dem Gut Altstadt bei Kolberg, dann wechselnd zwischen Altstadt und Stadt Kolberg nebst der 1832 im gotischen Stil erbauten Klosterkirche, seit 1886 Neubau. Das 1421 erwähnte Kundenreich - Holk - Stift und das aus dem Snelle - Hospiz entstandene Schlieffenstift (1407 und 1456).

Klosterkirche und Garnisonkirche, 1287 erbaut, 1630 abgebrannt, 1649 durch den letzten Titularbischof Bogislaw von Croy wiederhergestellt, 1653 auch Garnisonkirche, 1657 durch Explosion und in der russischen und französischen Belagerung stark beschädigt, 1832 im gotischen Stil neu erbaut, 1886 restauriert und eingeweiht mit dem Jungfrauenkloster, zuletzt Fräuleinstift, das zwischen Stadt und dem Gut Altstadt den Ort gewechselt hat. Kirche 1945 erhalten geblieben.

Nikolaikirche, 1276 zuerst in monte salis, dann an dem zum Domkapitel gehörenden Zillenberg (Zillenufer = Bootsufer) genannt, 1630 erstört, 1657-62 wiederaufgebaut, aber 1758 zerstört und 1807 abgebrochen, 1819 am Ende der Promenade gegenüber der späteren Kirche neu aufgebaut. Die zuletzt bestehende Nikolaikirche, nach Plänen des Berliner Prof. Lucä in gotischem Stil erbaut, 1877 eingeweiht, 1945 zerstört.

Georgenkirche in der Lauenburger Vorstadt, vor 600 Jahren als Kapelle ohne Sprengel erbaut, 1630 von den Kaiserlichen demoliert, 1639 wiederaufgebaut und 1807 in der französischen Belagerung zerstört, 1829 mit Turm wieder eingeweiht; diente zuletzt als Friedhofskapelle. Die zuletzt vorhandene, neue Kirche 1909 geweiht. 1945 alte und neue Georgenkirche zerstört.

St. Spiritus und St. Gertrud-Kirche (früher in der Nähe der Baustraße und Persantebrücke), 1866 wegen Baufälligkeit abgebrochen. Neubau und Verlegung der Pfarrei nach Alt Werder 1866-67. Reformierte Kirche, Reformierte Gemeinde 1657 gegründet, Kirche 1663 vom Großen Kurfürsten erbaut an der Stelle des ältesten Rathauses, 1761 in der russischen Belagerung in Trümmer geschossen, erst 1832 - 34 durch eine großherzige Spende des Kaufmanns Lefers nach dem Plan des Kölner Dombaumeisters Zwirner neu erbaut in der Art Schinkels, 1930 renoviert (neue Orgel und Ausmalung).

Kath. St. Martins-Kirche nach Plänen des Berliner Architekten Seiberg im gotischen Stil erbaut, 1895 eingeweiht, 1928 renoviert, 1945 zerstört.

Evang.-luth. Kirche (Altlutheraner), eingeweiht 1929, schlichte Saalkirche in einem ehemaligen Gasthof (Viktoria-Garten). - Evang. Erlöserkirche, als Tochterkirche

Der St. Marien-Domkirche eingeweiht 1932. 1945 erhalten geblieben. - Evang.-luth. Kirche der Bethlehemsgemeinde, nach 1920 erbaut, 1945 zerstört. - Friedenskirche der Methodisten. - Saal der christlichen Gemeinschaft seit 1909.

Juden im Mittelalter erwähnt; Judengasse. Im 17. und 18. Jahrh. war Kolberg neben Tempelburg bis zur Stein - Hardenbergschen Gesetzgebung einzige Stadt Hinterpommerns, in der sich keine Juden ansetzen durften. 1816: 40,1860:178,1870:280,1885:347,1895:369,1925: 255, 1938: 132 Juden. Erster Rabbiner 1871. Synagoge (1938 zerstört).