Die Stadt Kolberg
Lage
Kreisfreie Stadt und namhaftes Ostseebad an der hinter-pommerschen Küste (Ausgleichsküste), an der Mündung der Persante in die Ostsee und im Norden des umliegenden Landkreises Kolberg-Körlin, 132 km nordöstlich von Stettin und 268 km von Berlin (über Gollnow) entfernt. In 54° 10'21" nördlicher Breite (wie etwa Neumünster, Rostock und Greifswald) und 15° 34'58" östlicher Länge (wie etwa Hirschberg, Iglau, Krems in der Wachau, Graz und Messina auf Sizilien). Topographische Karte (Messtischblatt) Nr. 1859 Kolberg.
Der Markt liegt 1,2 km vom Ostseestrande entfernt, am rechten Ufer der Persante; zuoberst eine Sandschicht, darunter Tonlager über Kies, aus dem Sole über Flussspiegel steigt, mittelhohe Dünen, die westlich links der Persantemündung und auch etwa l km östlich bei der Waldenfelsschanze etwas höher ansteigen.
In Gitterform mit rechteckigem Markt, ursprünglich mit Parallelstraßen senkrecht zur Persante von SW nach SO, später Hauptstraßen von SO nach NW. Das ältere Rathaus auf dem Markt, 14.-15.Jahrh. erbaut, (wohl mit ähnlicher Fassade wie das zu Stralsund; got. Spitzen auf Merian-Stich [1652] zu erkennen), das jetzige im Festungsbaustil unter Leitung des Kölner Dombaumeisters Zwirner 1829-32 unter Benutzung der stehengebliebenen NW-Ecke, erweitert.1913. Mit einer ummauerten Grundfläche von 450 x 500 m, durch Vorstädte auf Gebiet von 2,9 km Durchmesser erweitert (von Stadtmauer des 14. Jahrh. Luntenturm am Preußenplatz noch erhalten): Neustadt im Südosten mit Mühle am rechten Persanteufer. Gelder-Vorstadt mit Mühlenpost, Schlachthaus, Friedhof, Pferdewiesen am linken Ufer der Persante und Holzgraben. Lauenburger Vorstadt im 0 mit Grundlinie westlich am alten Wall und Spitze östlich an Marien-und St. Georgs-Kirchhöfen, südlich davon Salzwiesen, Matzwiesen, Stadtfeld. Stubbenhagen (Gärtnerstadt im NO). Kolberger Münde mit Strandpark (altem Festungsgehölz) im N, Badestadt seit etwa 1800. Pfannschmieden (1666 schon 35 Häuser), Hafen, 0-Mole längs dem rechten Persanteufer. Salzberg mit früheren Salzkoten und Redoute Schill im NW zwischen Persante und Holzgraben. Links vom Holzgraben im W und S: Kasernen, Exerzierplatz. Stadtgärtnerei, früheres Gradierwerk (bis 1860/61). Stadtgärtnerei und Siederland (Zyderland = Niederland). Links der Persantemündung und W-Mole das Maikuhlewäldchen (= Birkengrund, im 17. Jahrh. angelegt) mit Fischer- und Bootshafen und Zentralfriedhof. Im Osten außerhalb der Stadt Anhalts kosmet. Fabrik, Rennplatz des Hinterpomm. Reitervereins, Waldenfelsschanze (zuletzt Restaurant), Gneisenauschanze (Stadtpark mit Freilichtbühne, Stadtwald mit Bhf., Restaurants, Förstereien). Die seit dem 30jährigen Kriege angelegten, nach den Freiheitskriegen verstärkten Festungswälle, Schanzen, Redouten und Glacis sind nach 1870 abgebaut, außer dem zur Lotsenkommandantur ausgebauten Münder Fort oberhalb des rechten Ufers der Persantemündung. 1925 wurden in Kolberg 1846 bewohnte Häuser gezählt.
Die Grenze des ländlichen Weichbildes der unter Hoheit und Zins des Rates stehenden Eigentumsdörfer zog sich nach Osten bis hinter den Stadtwald nach Stöckow. 1296 wurde durch Ratmannen und bischöfliche Vasallen die Grenze der Feldmark durch einen Malweg nach N zum Kempenberg, von da zur Holenbeke und weiter über eine Wiese bis zu einem unweit des Meeres stehenden Birnbaum gezogen. Von Stöckow ging die Grenze südwestlich nach Groß Jestin (1347), Simötzel (1439) und bog nördlich nach Büssow (1435-1521) über Nehmer (um 1439), Spie (1368), Klein Naugard (1578) nach Kolberger Deep bis zur Regamündung und zum Kamper See. Deep erst Mitte 16.Jahrh. so genannt, vorher mit „Fischer upper der Rega" bezeichnet. Bei Deep grenzte Kolberg an den Besitz des Klosters Belbuck; der Grenzort früher Dwerin genannt. Eine große Zahl von Dörfern, Gütern und Krügen unter Hoheit des Rats waren in diesem Weichbild eingeschlossen. Einige Besitzungen des Klosters der Benediktiner-Jungfrauen im inneren Kreis der so. Grenze bis zum Klostergut Altstadt und des Domkapitels im inneren südl. Kreis standen selbständiger nur in loser Schutzbeziehung mit dem Rat, die Güter einiger reicher Bürger standen unter der Gerichtsbarkeit des Rats. Das Stadtgebiet erstreckte sich über 19 km bei einer Breite von 200-6000 m entlang der Ostseeküste und umfasste nach Abschluss der aufgrund der Bauernbefreiung in der l. Hälfte des 19. Jahrh. vorgenommenen Abgrenzung der neuen Dörfer Gribow und Neu Werder, der alten Stadteigentumsdörfer Kolberger Deep, Alt- und Neubork, Sellnow, Necknin, Bodenhagen und Henkenhagen (teilweise) sowie der übrigen an die Stadt grenzenden Dörfer Bullenwinkel, Alt und Neu Tramm, Stöckow, Quetzin und des Gutes Altstadt (später zur Gemeinde Wobrow gehörig) im Jahre 1864 19 684,81 Morgen oder 5025,98 ha. Der Umfang blieb bis 1945 unverändert, es gab keine Eingemeindungen; 1941 wurden 50,18 km2 gemessen.